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EDITORIAL
Es ist kein Geheimnis, dass auch das deutsche Gesundheitswesen nicht
ausschließlich, oder auch nur überwiegend,
unter strikter Anwendung altruistischer Prinzipien gelenkt wird.
Jede wichtige Entscheidung ist ein mehr oder weniger glücklicher
Kompromiss zwischen zahlreichen sich widersprechenden
Interessengruppen. Da das finden von Kompromissen eines
der Grundprinzipien der Demokratie ist, muß und sollte man
dies akzeptieren. Diese Akzeptanz fällt dem Betrachter
vergleichsweise leicht, wenn alle Interessengruppen die
Möglichkeit haben, ihre jeweiligen Argumente und Meinungen
bekannt zu machen.
Selbst wenn die an den Entscheidungsprozessen Beteiligten
gelegentlich tatsächlich für die kranken Menschen nur "das Beste"
wollen, bedeutet dies leider nicht automatisch, dass sich ihre
im Prinzip lobenswerten Bemühungen für den individuellen Patienten
auch wirklich positiv auswirken. Nicht umsonst heißt es ja seit
eh und je "Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert...".
Vor allem wirken sich in guter Absicht initiierte Einsparungen
im Gesundheitswesen oft für einzelne Patienten schädlich aus,
da pauschale gesetzliche Regelungen keinen oder zu wenig Raum
für individuelle ärztliche Entscheidungen lassen. Doch wenn
es um die Behandlung von Krankheiten geht, sollte die Kompetenz
des Arztes die Auswahl der Ressourcen steuern - nicht aber die
Meinung von mehr oder weniger kompetenten Gremien, die am grünen
Tisch entscheiden, was sie der Gesellschaft unter Kosten-Nutzen-Aspekten
finanziell zumuten möchten.
Die ärztliche Therapiefreiheit steht leider seit Jahren vielerorts
nur noch auf dem Papier - ethisch motivierte Ärzte werden Land
auf Land ab von praxisfernen Pfennigfuchsern und Bürohengsten
ausgebremst, die nicht die blasseste Vorstellung davon haben,
was sie bei ihrem Dienst nach Vorschrift einzelnen Kranken zumuten.
In
diesem Zusammenhang ist eines aber klar: eine Veröffentlichung
der Argumente der Beteiligten - die im Vorfeld der
Entscheidungen ausgetauscht/diskutiert wurden - kann in keinem
Fall schaden. Auch die auf dieser Website publizierten Texte schaffen Öffentlichkeit und
regen eine kritische Diskussion an. Daher werden wir an dieser
Stelle in lockerer Folge -und ohne den geringsten Anspruch auf
Ausgewogenheit oder gar Vollständigkeit
- im Zusammenhang mit umstrittenen Entwicklungen im Gesundheitswesen
gesundheitspolitische Beiträge im Original publizieren, bzw. zu
diesen verlinken. Um eine möglichst objektive Bewertung
der jeweiligen Argumente muss sich dann jeder Leser selbst bemühen.
Dr.
med. Jochen Kubitschek, Herausgeber des
Info-Netzwerk Medizin 2000
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